Teil III: Neue und bewährte Therapiemöglichkeiten bei chronischer Nierenerkrankung der Katze
Seit Ende 2025 steht mit Vikaly™ erstmals ein verschreibungspflichtiges Futter für Katzen mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) zur Verfügung, das Ernährung und medikamentöse Behandlung in einem Produkt kombiniert.
Was ist Vikaly™?
- Name: Vikaly™
- Hersteller: Virbac
- Markteinführung: Ende 2025
Vikaly™ gilt als die weltweit erste „medikamentierte Nahrung“ für Katzen mit chronischer Nierenerkrankung.
Wie wirkt Vikaly™?
Vikaly™ verbindet die Eigenschaften einer Nierendiät mit einer pharmakologisch wirksamen Substanz.
Der medizinisch wirksame Bestandteil
Das Futter enthält den ACE-Hemmer Benazepril. ACE-Hemmer senken den Druck in den kleinen Blutgefäßen der Niere und reduzieren die sogenannte Proteinurie, also den Verlust von Eiweiß über den Urin. Proteinurie gilt als wichtiger Risikofaktor für das Fortschreiten einer chronischen Nierenerkrankung.
Integration des Wirkstoffes in das Futter
Anstatt Benazepril als separates Medikament zu verabreichen, ist der Wirkstoff direkt in die Nierendiät integriert. Dadurch wird die tägliche Anwendung vereinfacht und der Stress für Katze und Besitzer reduziert, da keine zusätzliche Tablettengabe erforderlich ist.
Diätetische Eigenschaften
Neben der medikamentösen Wirkung besitzt Vikaly™ die typischen Eigenschaften einer modernen Nierendiät:
- phosphorarm zur Entlastung der Nieren,
- eiweißreduziert zur Verringerung des Stoffwechselstresses,
- reich an Omega-3-Fettsäuren zur Unterstützung entzündungshemmender Prozesse,
- energiereich, um Gewichtsverlust vorzubeugen.
Gleichmäßige Wirkstoffzufuhr
Da der Wirkstoff gleichmäßig im Futter verteilt ist, bleibt die therapeutische Wirkung grundsätzlich auch dann erhalten, wenn die Katze einmal etwas weniger frisst – vorausgesetzt, sie nimmt zumindest einen Teil ihrer Tagesration auf.
Für welche Katzen ist Vikaly™ geeignet?
Vikaly™ richtet sich an Katzen mit chronischer Nierenerkrankung, insbesondere wenn zusätzlich eine Proteinurie festgestellt wurde. Der Einsatz kommt typischerweise ab IRIS-Stadium 2 in Betracht.
Mögliche Vorteile gegenüber einer herkömmlichen Medikation
- einfachere Anwendung über das Futter,
- geringerer Stress für Katze und Besitzer,
- besonders geeignet für schwer zu medikamentierende Katzen,
- möglicherweise bessere Therapietreue durch weniger ausgelassene Medikamentengaben.
Welche Alternativen oder Ergänzungen gibt es?
Auch unabhängig von einem medikamentierten Futter stehen zahlreiche bewährte Behandlungsansätze zur Verfügung. In der Praxis werden diese häufig miteinander kombiniert und individuell an Krankheitsstadium, Laborwerte und Bedürfnisse der einzelnen Katze angepasst.
1. Klassische Nierendiäten
Ziel ist die Entlastung der Nieren und die Verlangsamung des Krankheitsfortschritts.
Typische Merkmale sind:
- reduzierter Phosphorgehalt,
- moderat reduzierter Anteil hochwertiger Proteine,
- erhöhter Energiegehalt,
- Zusatz von Omega-3-Fettsäuren.
Der Einsatz erfolgt häufig ab IRIS-Stadium 2, insbesondere dann, wenn noch keine Proteinurie oder kein Bluthochdruck vorliegen.
Beispiele sind:
- Royal Canin Renal,
- Hill’s k/d,
- Vet-Concept Low Protein
Vorteil: gute wissenschaftliche Untersuchungsgrundlage und häufig hohe Akzeptanz.
Nachteil: keine direkte pharmakologische Wirkung.
2. Separate medikamentöse Therapie
ACE-Hemmer oder AT1-Blocker
Beispiele sind Benazepril oder Telmisartan.
Ziele:
- Senkung der Proteinurie,
- Schutz der glomerulären Filtration,
- Unterstützung der Blutdruckkontrolle.
Der Einsatz erfolgt vor allem bei nachgewiesener Proteinurie oder Hypertonie.
Diese Medikamente stellen eine Alternative dar, wenn eine Katze spezielle Nierendiäten nicht akzeptiert oder eine individuell anpassbare Dosierung erforderlich ist.
Blutdrucksenkende Medikamente
Beispielsweise Amlodipin.
Ziel ist der Schutz von Nieren, Augen, Gehirn und Herz bei systemischer Hypertonie, die bei Katzen mit CKD häufig vorkommt.
3. Phosphatbinder
Phosphatbinder werden eingesetzt, wenn eine Nierendiät allein nicht ausreicht, um den Phosphatspiegel im Blut ausreichend zu kontrollieren.
Sie binden Phosphor im Darm und reduzieren dadurch dessen Aufnahme in den Körper.
Eine individuelle Dosierung sowie regelmäßige Kontrollen sind dabei wichtig.
4. Flüssigkeitsmanagement
Optimierung der Flüssigkeitsaufnahme
nur bei nierenkranken Patienten notwendig. (Nieren gesunde Katzen haben keinen Flüssigkeitsmangel und werden im Hinblick auf die Zahngesundheit ausschließlich mit Trockenfutter ernährt.)
Dazu gehören:
- Nassfutter,
- zusätzliche Wasserschalen,
- Trinkbrunnen,
- Anreicherung des Futters mit Wasser.
Subkutane Infusionen
Ziele:
- Verbesserung der Hydration,
- Unterstützung des Allgemeinbefindens,
- Verringerung urämischer Symptome.
Sie kommen insbesondere in fortgeschritteneren Stadien oder bei Dehydratation und Appetitlosigkeit zum Einsatz.
5. Behandlung von Begleitproblemen
Übelkeit und Appetitlosigkeit
Je nach Bedarf können eingesetzt werden:
- Antiemetika,
- Magenschutzpräparate,
- Appetitanreger.
Anämie
Mögliche Maßnahmen umfassen:
- Eisenmanagement,
- gegebenenfalls Erythropoetin-Analoga in fortgeschrittenen Fällen.
Zahnschmerzen und Entzündungsherde
Chronische Entzündungen, insbesondere im Maulbereich, sollten erkannt und behandelt werden. Dazu kann auch eine Zahnsanierung gehören.
6. Individuell angepasste Ernährung
Nicht jede Katze akzeptiert eine Standard-Nierendiät.
Mögliche Alternativen sind:
- tierärztlich berechnete Hausrationen (www.futtermedicus.de),
- Kombinationen aus Nierendiät und herkömmlichem Futter,
- individuelle Anpassungen mit Schwerpunkt auf Futteraufnahme und ausreichender Kalorienversorgung.
Ein wichtiger Grundsatz lautet:
Eine Katze, die frisst, ist besser versorgt als eine Katze mit einem theoretisch perfekten Futter, das sie verweigert.
7. Monitoring in frühen Stadien
In sehr frühen Krankheitsstadien (IRIS-Stadium 1) steht häufig zunächst die engmaschige Überwachung im Vordergrund.
Dazu gehören:
- regelmäßige Blutuntersuchungen,
- Urinanalysen,
- Blutdruckkontrollen,
- Anpassungen der Ernährung,
- Vermeidung nierenschädigender Medikamente.
Ziel ist es, so früh wie sinnvoll und gleichzeitig so schonend wie möglich zu handeln.
Zusammenfassung
Die Behandlung chronischer Nierenerkrankungen besteht heute aus einer Vielzahl möglicher Bausteine:
- klassische Nierendiäten,
- medikamentöse Therapie,
- Phosphatmanagement,
- Flüssigkeitstherapie,
- Behandlung von Begleiterkrankungen,
- individuell angepasste Ernährungskonzepte.
Entscheidend ist in der Regel nicht eine einzelne Maßnahme, sondern die für die jeweilige Katze passende Kombination zum richtigen Zeitpunkt.
Inhaltsübersicht
Nierenerkrankungen bei der Katze – welche Rolle spielt die Prävention?
– Teil I: Chronische Nierenerkrankung (CKD) bei Katzen – Warum wird sie heute häufiger festgestellt?
– Teil II: Warum ist die Früherkennung von Nierenerkrankungen bei Katzen so wichtig?
– Teil III: Neue und bewährte Therapiemöglichkeiten bei chronischer Nierenerkrankung der Katze



