GGT-Logo 

Aktuell
GGT
Tierarztpraxis
Patienteninfos
Hunde
Katzen
Feliway
Impfungen
Teebaumoel
Fische
Vögel
Pferde
Imkerei
Shop
Links
Kontakt/Impressum
Monatsbrief
regelmäßig aktuelle Informationen:

Katzenkiller Teebaumöl

 

Bei Katzen wird Teebaumöl immer häufiger z.B. gegen Flöhe eingesetzt, ohne dass sich die Tierbesitzer über die tierartspezifischen Unverträglichkeiten beraten lassen. Folge davon ist, dass immer wieder Katzen mit einer Teebaumöl-Vergiftung in der Tierarztpraxis vorgestellt werden. Taumeln, chronische Abmagerung, Zittern, Unruhe, Schwäche (5, 6) sind die nur zu gut bekannten Symptome dieser Teebaumöl–Vergiftung. Nicht selten endet die Vergiftung mit Koma und Tod der Katze.

Das Öl des Teebaums, mit dem botanischer Namen Melaleuca alternifolia (aus der Familie der Myrtaceae) wird sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin immer beliebter. Dies beruht nicht zuletzt auf der gefährlichen Annahme, dass "natürlich" immer auch "nebenwirkungsfrei" bedeutet.

 

Während der letzten 10 Jahre konnte ein rasanter Anstieg der Verkaufszahlen für Teebaumöl von rund 8 auf 150 bis 200 Tonnen jährlich beobachtet werden. In Broschüren, Büchern und Anzeigen wird Teebaumöl unter anderem zur Therapie bei Akne, Schuppen und Schuppenflechte, Pilzerkrankungen, Muskelschmerzen, offenen Wunden, Rheuma, Raucherhusten und Krampfadern angepriesen (14). Nicht selten wird Teebaumöl völlig verharmlosend beworben, wie folgendes Zitat einer kommerziellen Internetseite zeigt: „Teebaumöl ist nebenwirkungsfrei, natürlich und einfach in der Handhabung. Durch die Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten ist es eine natürliche Alternative zu vielen speziellen Präparaten und chemischen Keulen."

 

So harmlos sind die hochwirksamen Inhaltsstoffe des Teebaumöls jedoch nicht. Unterzieht man Teebaumöl einer gaschromatographischen Analyse, so zeigt sich, dass dieser angeblich so harmlose "Naturstoff" ein Gemisch aus einer Vielzahl potenter, pharmakologisch hochwirksamer Substanzen (Terpene und Phenole) ist.

Beispiel einer Analyse: 2,6% a-Pinene, 1,01% Limonene, 20,42 % y-Terpinene, 3,1% a-Terpineol, 1,00% d-Cadinene, 0,10% Sabinene, 3,31% p-Cymene, 3,1% Terpinolene, 1,31% Aromadendrene, 0,5% Globulol, 8,4% a-Terpinene, 3,3% 1.8 Cineole, 40,5% Terpinene-4-ol, 0,7% Ledene, 0,4% Viridiflorol.

 

Da es sich um ein Naturprodukt handelt, kann die Zusammensetzung je nach Charge erheblich schwanken. Gelegentlich ist Teebaumöl auch gepanscht, wie eine Untersuchung belegt, die unter der Leitung von Prof. Hans Becker an der Universität Saarbrücken durchgeführt und in der Deutschen Apothekerzeitung im Dezember 97 veröffentlicht wurde.

Gleichzeitig mit der zunehmenden Anwendung werden weltweit Nebenwirkungen bei Mensch und Tier beschrieben. Humanmediziner diagnostizieren häufig eine Kontaktdermatitis oder Allergien (10, 13, 14). Ebenso mehren sich Vergiftungen mit Übelkeit, Durchfällen, Gleichgewichtsstörungen, Müdigkeit und Desorientiertheit bei Kleinkindern (8, 9) und Erwachsenen nach Einnahme von bis zu 10 ml unverdünntem Teebaumöl (11, 12).

 

Bei Katzen wird Teebaumöl immer häufiger z.B. gegen Flöhe eingesetzt, ohne dass sich die Tierbesitzer über die tierartspezifischen Unverträglichkeiten beraten lassen. Folge ist, dass immer wieder Katzen mit einer Teebaumöl-Vergiftung in der Tierarztpraxis vorgestellt werden. Taumeln, chronische Abmagerung, Zittern, Unruhe, Schwäche (5, 6) sind die nur zu gut bekannten Symptome dieser Teebaumöl–Vergiftung. Nicht selten endet die Vergiftung mit Koma und Tod der Katze. Werden vergiftete Katzen frühzeitig einem Tierarzt vorgestellt, so besteht zumindest eine geringe Chance, dass sich die Tiere innerhalb zwei bis drei Tagen an der Infusion wiedererholen (5).

 

Ursache für diese Vergiftung ist der hohe Gehalt an Terpenen und Phenolen im Teebaumöl. Diese sind – neben vielen andere ätherische Ölen (Thymian-, Oregano-, Zimtöle etc.) - für Katzen toxisch. Allen Katzen fehlt die Möglichkeit zur Glucuronidierung. Sie haben dadurch nicht die Möglickeit, Terpene und Phenole in der Leber abzubauen (1, 2, 3, 6). Dadurch reichern sich die Inhaltsstoffe des Teebaumöls im Körper der Katze an und es kommt zur Vergiftung. Selbst wenn Tierbesitzer ihren Katzen nur wenige Tropfen Teebaumöl zur Flohbekämpfung auf das Fell tropfen, so können die Katzen doch bei der Fellpflege toxische Mengen aufnehmen und erkranken.

 

Insbesondere durch die schwankenden und für den Tierbesitzer schwer zu beurteilenden Inhaltsstoffe, ist eine Anwendung bei der Katze ein unkalkulierbares Risiko und aus Gründen des Tierschutzes abzulehnen. Selbst wenn es im Einzelfall nicht zu sichtbaren Vergiftungserscheinungen kommt, können Langzeitfolgen insbesondere nach wiederholter Anwendung nicht ausgeschlossen werden. Zudem stehen dem Tierarzt eine Vielzahl von zugelassenen und erprobten Arzneimitteln zur Flohbekämpfung zur Verfügung.

 

Quellen:

(1) Kraft, W. u. U.M. Dürr (Hrsg.), Katzenkrankheiten, 4. Aufl.,
Verlag M. ∓ H. Schaper, 1996.

(2) Strolin-Benedetti, M.., Les reactions de conjugiasion dans le metabolisme des medicaments, Act. Chim. Ther., 7, S. 357 - 390, 1980

(3) Ungemach, F. R., Pharmakotherapie des Respirationstraktes,
in: Löscher, W., F. R. Ungemach u. R. Kroker, Pharmakotherapie bei Haus und Nutztieren, 3. Aufl., Parey Buchverlag Berlin, 1997

(4) Bischoff K, Guale F, Australean tee tree oil posioning in three purebred cats,
Journal of Veterinary Investigation 10(2) S. 208 - 210, 1998

(5) Villar D, Knight MJ, Hansen SR, Buck WB
Toxicity of melaleuca oil and related essential oils applied topically on dogs and cats.
Vet Hum Toxicol 1994 Apr;36(2):139-42

(6) Wynn, S.G., ∓ Kirk-Smith, M.D. "Aromatherapy in veterinary practice." In Schoen, A., ∓ Wynn, S., eds. Complementary and Alternative Veterinary Medicine: Principles and Practice, St. Louis, Mo.: Mosby, 1997.

(7) Universität Zürich im Internet
http://www.vetpharm.unizh.ch/script/tox/tox3.html

(8) Jacobs MR, Hornfeldt CS
Melaleuca oil poisoning.
J Toxicol Clin Toxicol 1994;32(4):461-4

(9) Del Beccaro MA
Melaleuca oil poisoning in a 17-month-old.
Vet Hum Toxicol 1995 Dec;37(6):557-8

(10) Knight TE, Hausen BM
Melaleuca oil (tea tree oil) dermatitis.
J Am Acad Dermatol 1994 Mar;30(3):423-7

(11) Woolf A
Essential oil poisoning.
J Toxicol Clin Toxicol 1999;37(6):721-7

(12) Moss A
Tea tree oil poisioning
Med J Aust 1994 Feb 21;160(4):236

(13)Rubel DM Freeman S, Southwell IA
Tea tree oil allergy: what is the offending agent? Report of three of cases tea tree oil allergy and review of the literature.
Australas J Dermatol 1998 Nov;39(4):244-7

(14) COD, Allergen wirken Inhaltsstoffe wie Terpine und Terpinole -
Wann Teebaumöl aus Gesichtspickeln eine Kontaktdermatitis macht
Ärzte Zeitung vom 7.4.1998
http://www.aerztezeitung.de/de/htm/net/allergie/065a0102.htmb